Ewing, Amy – Das Juwel (Band 1 Die Gabe)

Ewing, Amy
Band 1 Die Gabe
Das Juwel
978-3-8414-2104-3
FJB /Fischer Verlage

Inhalt:

Violet lebt in Armut, aber sie hat eine besondere Gabe. Eine Gabe, die ihre Chance und ihr Fluch zugleich ist … Violet Lasting ist etwas Besonderes. Sie kann durch bloße Vorstellungskraft Dinge verändern und wachsen lassen. Deshalb wird sie auserwählt, ein Leben im Juwel zu führen. Sie entkommt bitterer Armut und wird auf einer großen Auktion an die Herzogin vom See verkauft, um bei ihr zu wohnen. Eine faszinierende, prunkvolle Welt erwartet sie. Doch das neue Leben fordert ein großes Opfer von ihr: gegen ihren Willen und unter Einsatz all ihrer Kraft soll sie der Herzogin ein Kind schenken. Wie soll Violet in dieser Welt voller Gefahren und Palastintrigen bestehen? Als sie sich verliebt, setzt sie nicht nur ihre eigene Freiheit aufs Spiel. (Quelle Fischerverlage)

Meine Meinung:

Dieser erste Band ist für meinen Geschmack noch keine richtige Liebesgeschichte, aber ich möchte die Trilogie dennoch vorstellten, denn ich hoffe, dass die anderen beiden Bände diesbezüglich noch ein bisschen herz-schmerz bringen …..

Das Cover von diesem Buch ist einfach toll! Für mich ein Hingucker, mir die Inhaltsangabe genauer anzuschauen. „Die Gabe“ machte mich neugierig und das Buch kam auf meine Leseliste für Jugendliteratur. Dort schlummerte es so vor sich hin, denn es war kein Buch, das ich sofort lesen wollte. Nach gut zwei Jahren entdeckte ich die komplette Trilogie in meiner Stadtbücherei und dann war klar, jetzt wird gelesen.

Die Geschichte war so ganz anders, als ich sie mir vorgestellt habe. Ich finde, gerade hier in der ersten Hälfte ist nichts vorhersehbar, und das machte für mich einen großen Teil der Spannung aus. Was sind Surragate? Was genau ist die Gabe? Was passiert im Juwel? Was genau ist Violets Aufgabe?

Also, es ist wie ich finde, ein ganz neuer Ansatz eines Settings! Bereits in der Inhaltsangabe hatte mich die Angabe irritiert, dass Violet der Herzogin ein Kind schenken soll. Das hätte mich fast vom Lesen abgehalten, weil es für mich keinen Sinn ergab und mich das Thema „Leihmutterschaft“ nicht sonderlich interessierte. Der Sinn, wie dies hier in dieser Geschichte funktionieren soll, erschließt sich beim Lesen so nach und nach.

Der Erzählton ist einfach gehalten, dadurch gehen die Charaktere auch nicht so sehr in die Tiefe. So ist der Widerstand Violets mir nicht so ganz schlüssig erklärt, da sie durch die „Verwahrungsanstalt“ bereits „geformt“ wurde und bis zur Auktion eigentlich ein braves Mädchen war. Auch als sich Violet in Ash verliebt, geht das doch ganz schön schnell.

Insgesamt erinnerte mich das die Geschichte aber an „Die Tribute von Panem“ und „Selection“. Die Verwahrungsanstalt, in der die potenziellen Surrogate „ausgebildet“ werden, ähnelte dem Trainingscamp im ersten Teil von „Die Tribute von Panem“ und Lucien, der hier Violet für die Auktion stylt, erinnerte mich an den Stylisten Cinna. Violets Leben bei der Herzogin im Luxus erinnert mich an „Selection“, in der die Kandidatinnen auch nur kurzfristig geduldet wurden.

„Das Juwel“ ist anders als erwartet kein Juwel, sondern eine, ich nenne es jetzt mal Hochburg auf einer Insel im Meer. Diese Insel ist komplett abgeschottet und als Schutz vor dem Wasser von einer hohen Mauer umgeben. Die Insel ist in fünf Kreise aufgeteilt, wovon „Das Juwel“ der innerste Kreis, der dem Adel angehört. Hier fehlt nichts.

Das Juwel – der Kern: hier wohnen die Adligen

Die Bank – der zweite Kreis: hier wohnen Geschäftsleute

Der Schlot – der dritte Kreis: Fabriken

Die Farm – der vierte Kreis: Landwirtschaftsfläche

Der Sumpf – der fünfte Kreis gleich an der große Mauer: Arbeiter/Armen-Siedlungen

 

Auf den Buchinnenseiten gibt es eine schöne Übersicht:

Violet stammt aus dem Sumpf und wurde ihrer Familie weggenommen, als sich herausstellte, dass sie bestimmte Genmerkmale, also die Gabe, hat. Sie kommt in die Verwahrungsanstalt, um diese Gabe besser auszubilden. Dort muss sie mit ihrer Vorstellungskraft Dinge verändern, was nur unter Schmerzen möglich ist. Es gibt keine Spiegel dort, und so weiß Violet nicht, dass sie wunderschön aussieht, mit ihren schwarzen langen Haaren und den violetten Augen. Sie lernt Raven kennen, die ihr eine Freundin wird. Über vier Jahre werden sie „ausgebildet, und dann geht es zur Auktion, auf der sie meistbietend an Adelshäuser oder Banken verkauft werden. Sie wird von der Herzogin vom See gekauft, und in Violet, die sich gedemütigt diesem ganzen Prozedere fügt, wächst der Widerstand.

Überhaupt die Auktion, also das ist schon sehr deprimierend und demütigend erzählt. So wird Violet angepriesen, als Losnummer, nicht mit Namen. Auch zukünftig sind die Namen der Surragate unwichtig:

Zitat Seite 89: „Losnummer 197, meine Damen. Sechzehn Jahre, ein Meter achtundsechzig groß, achtundfünfzig Komma fünf Kilo schwer. Hat eine ungewöhnliche Augenfarbe, wie Sie sehen. Vier Jahre Ausbildung, Ergebnisse im ersten Auspizium 9,6, im zweiten 9,4 und im dritten unglaublich eindrucksvolle 10,0. Außerordentliche Begabung im Spielen von Saiteninstrumenten, insbesondere Cello.“

Als Violet nach der Auktion über einen Mechanismus über eine runde Platte in einen Raum im Keller heruntergefahren wird, erinnert mich das an „Die Tribute von Panem“.

Das mit der Gabe finde ich gut erklärt und konnte es mir ohne weiteres vorstellen, dass es klappt. Neugierig wurde ich dann, als Violet die Kraft einer alten Eiche anzapft, ohne wirklich zu wissen, was sie tut. Ich denke, wir Leser werden noch einige Überraschungen erleben.

Violet soll der Herzogin vom See als Leihmutter ein Kind gebären. Ein ganz besonderes Kind. Dieses Setting, dass die sogenannten Surrogate als magische Leihmütter fungieren, ist sehr außergewöhnlich. Dabei stellen sich die Surrogate nicht freiwillig zur Verfügung, sondern alles wird vom „Juwel“ aus geregelt, die Surrogate selber haben nichts zu sagen und haben keine Chance zu entkommen.

Zitat Seite 349: „Ich bin verunreinigt. Ohne meine Zustimmung und gegen meinen Willen wurde etwas in mich hineingesetzt. Zu wissen, dass es passieren wird, und es tatsächlich zu erleben, sind zwei grundverschiedene Dinge.“

Das Love-Interest kommt als „Liebe auf den ersten Blick“. Das ging so schnell, und konnte mich letztendlich nicht überzeugen. Auch ist mir Ash Lockwood am Anfang sehr suspekt. Welche Funktion hat er? Er wird „Gefährte“ genannt, und was ich so las, lies mich auf den Gedanken kommen, dass er so was wie ein männlicher „Escord-Service“ war? Auch hier wird mit der Spannung gespielt, denn ich wollte es natürlich genau wissen. Kurze Zeit später wird diese Frage gelöst, als Ash seine genauen „Aufgaben“ beim Adel Violet erzählt. Genau wie Violet, muss er gehorchen und es scheint kein entkommen zu geben. Ihre Liebe hat von Anfang keine Chance. Wenn da nicht …

Den Cliffhanger am Schluss habe ich schon erwartet. Irgendwann zwischendurch dachte ich, dass Garnet, der Sohn von der Herzogin vom See, nicht der ist, der er vorgibt zu sein. Seine Abneigung und oberflächliche Rolle waren zu ersichtlich. Vielleicht hängt er mit dieser unglücklichen Liebesgeschichte des hingerichteten Surrogates zusammen, mit der Schwester von Lucien. Ich bin gespannt. Auch bin ich gespannt, ob der Tod des anderen Surrogates „echt“ war.

Fazit:

Die Geschichte ist eigentlich eher ruhig erzählt, aber hat dennoch eine subtile Spannung. Diese resultiert daraus, dass ich als Leser auf einer Stufe mit der Hauptprotagonistin Violet stand. Ich wusste als Leser genauso viel sie, nämlich fast gar nichts. Was würde als nächstes passieren? Wie läuft die Auktion ab? Was passiert im Juwel? Zudem kam noch hinzu, dass ich mich erst in dieser Welt des „Juwels“ zurechtfinden musste. Was sind Surrogate und welche Aufgaben haben sie? Wie kann ich mir die „Gabe“ vorstellen? Was ist die Verwahrungsanstalt? Was passiert im Juwel und was ist das Juwel überhaupt? Was genau will die Herzogin vom See von Violet? Wie kommt der Widerstand zustande und wer gehört diesem allem an? Wie funktioniert das mit der Leihmutterschaft und der magischen Gabe? Also Fragen über Fragen, die nach und nach aufgeklärt werden.

Der Erzählstil ist einfach und die Geschichte lässt sich sehr schnell lesen. Da diese Welt so völlig anders war, und ich als Leser und Violet nicht wussten, was als nächstes passieren würde, hatte es auch schon einen etwas beunruhigenden Grundton.

Das Love-Interest zwischen Violet mit ihrer Gabe und dem „Gefährten“ Ash als „Liebe auf den ersten Blick“ konnte mich nicht so ganz berühren. Aber vielleicht wird diese im zweiten Teil intensiver.

Alles in allem: So ganz überzeugen konnte mich die Geschichte nicht. Die Spannung resultierte am meisten aus dieser unbekannten Welt. Das Setting mit der magischen Leihmutterschaft ist mal etwas ganz anderes. Die zwischenmenschlichen Beziehungen sind voraussehbar gewesen, wie bei vielen Jugendbuch-Trilogien. Ich werde der Vollständigkeitshalber auch noch Band 2+3 lesen, in der Hoffnung, dass diese mehr in die „Tiefe“ gehen.

Das Buch erschien am 20. August 2015

Link zum Buch/Verlag mit Leseprobe: https://www.fischerverlage.de/buch/das_juwel-die_gabe/9783841421043

 

Das Juwel / The lone city trilogy
Band 1 Die Gabe
Band 2 Die weiße Rose
Band 3 Der schwarze Schlüssel

 

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