Winter, Claudia – Glückssterne

Winter, Claudia
Glückssterne
978-3-442-48543-7
Goldmann

Inhalt:

Karriere, Heirat, Kinder. Die Anwältin Josefine weiß genau, was sie vom Leben erwartet. Doch kurz vor der Hochzeit brennt Josefines Cousine mit einem Straßenmusiker nach Schottland durch, den legendären Familienring im Gepäck, den die Braut bei der Trauung tragen sollte. Als ihre abergläubische Großmutter daraufhin der Ehe ihren Segen verweigert, bleibt Josefine keine Wahl: Wutentbrannt reist sie dem schwarzen Schaf der Familie hinterher und gerät in den verregneten Highlands von einem Schlamassel in das nächste. Nicht nur einmal muss der charismatische Konditor Aidan der Braut in spe aus der Patsche helfen – dabei ist dieser Charmeur der Letzte, vor dem sie sich eine Blöße geben möchte. Aber der Zauber Schottlands lässt niemanden unberührt, und schon bald passieren seltsame Dinge mit Josefine, die so gar nicht in ihren Lebensplan passen … (Quelle Goldmann)

Meine Meinung:

Normalerweise gehören Bücher mit dieser Art von Cover nicht in mein „Beuteschema“. Wenn dann noch ein deutscher Autorennamen drauf steht (sorry), bin ich auch eher abgeneigt. Das ist leider einfach so, vielleicht habe ich deswegen auch tolle Geschichten verpasst, aber andererseits hatte ich schon zu oft Romane in diesem bestimmten Schema, die mir nicht gefallen haben, weil sie zu oberflächlich und zu gewollt waren. Auch hier war ich zunächst ähnlicher Meinung, aber die Stichworte „Schottland“ und „Ring“ und „Liebe“ machten mich zu sehr neugierig. Über verschiedene Kanäle und Medien wurde ich auf dieses Buch aufmerksam. Selbst bei Lovlybooks gab es ein Gewinnspiel an dem ich teilnahm aber nicht gewonnen habe. Im Endeffekt war es mir aber auch nicht sooo wichtig diese Geschichte zu lesen, als dass ich mir das Buch gekauft hätte. Aber als ich jetzt nach ein paar Wochen in meiner Bücherei entdeckte, dachte ich, okay, jetzt wird’s einfach gelesen. Und was soll ich sagen? Ich wurde nur positiv überrascht. Eine ganz schöne und humorige Geschichte, die ich meinen Freundinnen als Sommerlektüre empfohlen habe, und die sich auch im Herbst ganz wunderbar lesen lässt.

Zudem wird sich in der Hauptprotagonistin Josefine die eine oder andere Leserin aus charakterlicher Perspektive vielleicht ungerne wiederfinden. Ich jedenfalls hatte sofort an eine Person aus meinem Bekanntenkreis gedacht, die sich ähnlich schnell in eine bestimmte Richtung justiert und dann lange nicht mehr davon abweicht. Ich meine, jeder von uns hat irgendwo einen ungefähren Plan im Kopf, wie er sich sein Leben vorstellt. Gerade wer keine Kinder hat, kann da vor allem beruflich gut vorplanen und verfolgt diesen Plan oder auch Lebensentwurf dann mit einer gewissen Strenge und Durchhaltevormögen. So jedenfalls ergeht es auch Josefine, einer Anwältin. Sie und ihr Lebensgefährte Justus planen nun nach zehn gemeinsamen Jahren die Hochzeit. Dabei spielt der Ring eine große Rolle in der Familientradition von Josefines alter und ehrwürdiger Familie. Mir wurde schnell klar, und andere LeserInnen werden dies auch schnell bemerken, denn es ist offensichtlich dass Justus Josefine nur aus bestimmten Gründen heiraten will.

Josefine ist eine scheinbar strenge Frau, die sehr unentspannt ist, weil sie sich ihrer Familie als würdig erweisen will und dadurch eher „verbissen“ wirkt. Wie sagt man so schön, eine „Spassbremse“. Sie wirkt steif und überkorrekt, und dennoch beschleicht den Leser eine feine Ahnung, dass da noch mehr sein könnte. Denn als der besagte Familien-Ring verschwindet, muss Josefine nach Schottland reisen. Und dort kommt eine Menge Bewegung in die Geschichte.

Die Familienverhältnisse empfand ich etwas unübersichtlich, und ich hatte mir eine kurze Übersicht aufgemalt. Das war aber eigentlich nicht nötig, denn es spielt nicht eine so große Rolle und es reicht einfach, wenn man weiß, dass Bri und Li Josefines Tanten sind, dass es ihre Eltern gibt, eine Familienpatriarchin (die Großmutter) und Jofsefines Cousine, die mit dem Ring abhaut.

Ab dem Zeitpunkt, da sie in das Flugzeug einsteigt, geht alles schief. Und das war stellenweise so witzig, dass ich laut lachen musste. Ich glaube, viele von uns haben einen kleinen Teil „Josefine „ in ihrem Charakter, auch ich, und so konnte ich gut nachvollziehen, wie es ihr erging, als alle Pläne so nach und nach von höherer Gewalt vereitelt werden. Josefines Verkniffenheit und die Impulsivität der Tanten beschwören so manche komische Situation.

Es gibt eine Stelle im Buch an der ich so lachen musste, dass ich mich verschluckt habe. Das war, als Josefine mit ihren zwei Tanten (gleich mehr dazu) im Mietwagen unterwegs ist und aus lauter Wut aufs Gas drückt um die Flugzeugbekanntschaft Aidan Murray zu überholen, und sie so richtig schadenfroh ist als ihr das gelingt. Und dann ein paar Meter weiter ihr Mietwagen den Geist aufgibt, im Auto totenstille herrscht. Als dann auch noch Aidan Murray zu Hilfe eilt, ist die Peinlichkeit perfekt. Mir ist klar, dass es nicht jedem Leser so gehen wird, aber diese Situation mit ihrem Tanten im defekten Auto, da musste ich sofort an bestimmte Personen aus meinem privaten Umfeld denken, in der die gleiche Komik in einer ähnlichen Situation geherrscht hat.

Ein schöner Aspekt ist mal, dass Aidan Murray, den Josefine im Flugzeug kennenlernt (und ihn da richtiggehend verpetzt!) ein Bäcker ist, bzw. sein Familienunternehmen aus einer kleinen Bäckerei besteht. Wunderbar fand ich das kleine Cafe, in dem es kleine Probierstückchen von jedem Kuchen gab! Das wäre auch was für mich gewesen. Und tja, Tante Li ließ sich diese Chance nicht entgehen, nachdem sie sich minutenlang nicht für eine Sorte entscheiden konnte. Natürlich tritt Josefine in diesem Cafe in ein richtig dickes Fettnäpfchen, das leider nicht witzig ist, sondern ihren Snobismus zeigt. Gott-sei-Dank passiert das nur einmal im Buch, denn sonst hätte ich sie so gar nicht leiden mögen.

Nun zu den beiden 73ig-jährigen Tanten, Zwillingsschwestern und sehr unterschiedlich in ihrem Verhalten. Mit ihrer Kindheit beginnt die Geschichte im Prolog 1952, als sie sich wie in einem Schrank „a la Könige von Narnia“ einen Blutsschwur leisten. Lieselotte genannt Li wird sich in den nächsten Jahren als schüchterne Leseratte herausstellen, und Brigitte, genannt Bri wird die Rebellin in der Familie werden. Aber das spielt nur eine untergeordnete Rolle in der Geschichte. Sie tauchen unerwartet in Schottland auf und bieten Josefine ihre „Hilfe“ an und bringen dann viel Schwung in die Geschichte.

Das Setting in Schottland tritt eher im Hintergrund zu Tage. Wer sich also weitgehende Beschreibungen erhofft, wird enttäuscht sein. Schottland ist in kurzen und knappen Sätzen präsent, zum Beispiel über das regnerische Wetter oder den Linksverkehr. Die Geschichte hätte auch gut woanders spielen können.

Das Love-Interest ist natürlich von Anfang an abzusehen, aber das macht ja nichts. Vor allem, da Josefine kein Fettnäpfchen auslässt. Die gegenseitige Anziehung entwickelt sich langsam und authentisch, auch wenn Aidan wirklich fast schon (wieder) zu gut ist um wahr zu sein. Immerhin weiß er ja, dass Josefine bald heiraten wird. Und das war dann auch so ein wenig für mich der Knackpunkt der Geschichte, ich war mir nicht sicher, ob ich es mochte, wie Josefine an der Hochzeit mit Justus festhält. Natürlich würde man sich als Leser sofort wünschen, dass sie Justus abserviert und zu Aidan geht. Aber „realistisch“ gesehen, wer lässt schon in echt drei Wochen vor dem Termin eine Hochzeit absagen? Auch wenn das möglich ist, ist es doch ein Ausnahmefall. Und von daher war ich mit Josefine schon irgendwie wieder versöhnt, weil sie ja ihren Weg gehen will, weil sie eine ehrliche und stringente Person ist, hatte sie psychologisch gar keine andere Wahl, als an der Hochzeit und Justus festzuhalten. Immerhin, war es das, auf das sie jahrelang hingearbeitet hat und das gibt man dann nicht für eine zufällige Laison auf, oder? Aber, ob sie nun wirklich Justus heiratet oder nicht, verrate ich hier nicht.

Winter, Claudia
Glückssterne
978-3-442-48543-7
Goldmann

Fazit:

Dieses Buch hat mich positiv überrascht. Die verkrampfte Hauptprotagonistin Josefine lockert im Laufe der Geschichte „gezwungenermaßen“ auf, was dem Leser sehr witzig und amüsant präsentiert wird. Ich musste mehrmals laut auflachen. Dafür sorgen unvorhergesehene Geschehnisse, höhere Gewalt und unglaubliche Zufälle. Josefines zwei 73jährige Zwillings-Tanten tun das übrige dazu, noch mehr Schwung in die Geschichte zu bringen. Das Love-Interesst war voraussehbar, aber wunderbar zu lesen, eine Art „Zähmung der Widerspenstigen“.

Als Manko kann man sagen, die Klischees werden erfüllt, aber ganz ehrlich, wer solche Bücher liest, weiß dass doch im Voraus und mir hat es nichts ausgemacht, denn ich wurde bestens unterhalten. Auch wenn ich mich gefragt habe, ob man es verstehen muss, dass Josefine so hartnäckig an der Hochzeit festhält? Ich denke, wenn man mal soweit in der Lebensplanung fortgeschritten ist, etwas lange plant und seinen Lebensentwurf praktisch in der Tasche hat, dann macht man ungern einen Rückzieher. Ohne etwas zu verraten, kann ich sagen, dass es ein gefälliges Happy End gibt, aber das wissen die LeserInnen dieses Genres. Der Schreibstil und die Erzählweise gefielen mir auch so gut, dass ich überlege, ob ich auch das vorherige Buch „Aprikosenküsse“ lesen soll? Kennt das schon einer von euch?

Alles in allem: Josefines und Aidans Love-Interest als eine Art „Der widerspenstigen Zähmung“ mit zwei alten Damen auf einem Roadtrip durch Schottland. Ich habe das Buch als leichte und witzige Lektüre meinen Freundinnen empfohlen. Lasst euch nicht vom Cover abschrecken! Toll zum abschalten!

Köstlich amüsant. Freundinnen-Lese-Tipp!

Das Buch erschien am 12. Dezember 2016

Link zum Buch/Verlag: https://www.randomhouse.de/Taschenbuch/Glueckssterne/Claudia-Winter/Goldmann-TB/e493821.rhd

 

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