Ward, J.R. – Bourbon Kings Teil 1

Ward, J.R. Bourbon Kings Teil 1 978-3-7363-0322-5 Lyx

Ward, J.R.
Bourbon Kings Teil 1
978-3-7363-0322-5
Lyx

Inhalt:

Eine mächtige Dynastie: skrupellose Machtspiele und verbotene Gefühle. Seit Generationen geben die Bradfords in Kentucky den Ton an. Der Handel mit Bourbon hat der Familiendynastie großen Reichtum und viel Anerkennung eingebracht. Doch hinter der glänzenden Fassade verbergen sich verbotene Liebschaften, skrupellose Machtspiele, Verrat, Intrigen und skandalöse Geheimnisse …

Meine Meinung:

Die Autorin J.R. Ward kenne ich von den „Black Daggern“, einer Serie, die sich mittlerweile leider auch ins „unendliche zieht“. Die ersten zehn Bände waren im „Liebesroman-Sinne“ durchaus lesenswert, phantastische und paranormale Liebes-Geschichten mit viel Herz-Schmerz. Daher war ich nun sehr gespannt, was es mit den Bourbon Kings auf sich hat, was die Autorin aus diesen „Stoff“ macht. Und ich kann sagen, ich wurde sehr überrascht.

Ward, J.R. Bourbon Kings Teil 1 978-3-7363-0322-5 Lyx

Ward, J.R.
Bourbon Kings Teil 1
978-3-7363-0322-5
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Zu allererst fiel auf, dass Bourbon Kings in der realen Welt spielt, aber natürlich fiktiv ist. Genauer gesagt, spielt Bourbon Kings wie der Name schon vermuten lässt, in einer Gegend, in der Bourbon destilliert wird, und mit den Bourbon Kings ist die Familie BBC = Bradford Bourbon Company gemeint. Diese Fabrik liegt in Kentucky, das wohl nur halbwegs an die berühmten „Südstaaten der USA“ grenzt, aber zu Nordstaaten gerechnet wird. Vielleicht kennen einige auch die Fernsehserie „Fackeln im Sturm“ aus dem Jahr 1985? Da geht es jedenfalls um den Sezessionskrieg zwischen den Nord- und Südstaaten. Aber das nur am Rande.

Das Oberhaupt der Familie ist William Baldwine, ein eiskalter und berechnender Mann. Seine vier Kinder gehen in ihrer Kindheit durch die Hölle. Da wären Edward, Tulane, Maxwell und als einzige Tochter Virginia, genannt Gin. Alle heißen mit Nachnamen Baldwin, was mich eine Zeitlang verwirrt hat, bis erwähnt wurde, dass die Mutter der Vier eine geborene Bradford war und ihr gehört somit auch das Bourbon Imperium. Wenn sie nicht völlig benebelt in ihrem Zimmer dahin vegetieren würde, vollgepumpt mit Medikamenten. Mir kam manchmal der Verdacht, dass ihr Mann William sie in diesem Zustand hielt, um sich an ihr zu bereichern.

Der Erzählton dieser Geschichte empfand ich sprachlich ein ganzes Stück geistvoller als von der „Black-Dagger Serie“. Er war sehr ausführlich, oft auch langatmig und so zog sich das Buch dahin, obwohl viel passierte. Allerdings ergibt sich durch diese gründliche Betrachtung ein tolles Gesamtpanorama einer sehr sehr reichen Familie, ihrem riesigen Familiensitz genannt „Easterly“, der Whisky Destillery und der Landschaft mit Maisfeldern. Diese Familie ist so unglaublich reich, dass keines der Kinder arbeiten muss und mittlerweile sind die Kinder schon über 35 alt. Sie sind ein Leben in der High Society Kentuckys gewöhnt, in der am Tag des Kentucky Derbys 700 ausgewählte Gäste zum „TDB = The Derby Brunch“ eingeladen werden, ein Fest, das die Familie Millionen kostet. F

Ward, J.R. Bourbon Kings Teil 1 978-3-7363-0322-5 Lyx

Ward, J.R.
Bourbon Kings Teil 1
978-3-7363-0322-5
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Es werden sehr viele Einzelheiten geschildert, zum Beispiel wie das Arrangement und die Deko der großen Blumentöpfe vor dem Festzelt für die Gäste des Kentucky Derbys. Die Frage ist: „Muss es wirklich so ausführlich sein?“. Das muss jeder für sich selbst beantworten. Für die detaillierte Blumen-Deko sprich, dass eine Hauptprotagonistinnen Chef-Gärtnerin auf dem Anwesen ist. Gemeint ist Lizzy, die eine Affäre mit einem der Bourbon Kings hatte, mit Tulane. Womit wir bei den Protagonisten wären.

Ich denke, dass Lizzy und Tulane die Hauptpersonen waren, aber so genau kann ich das nicht sagen, weil auch so viele alle andere mitspielten und viel Raum einnahmen. Es gibt auch eine Art offenes Ende, so dass ich auch nicht sagen kann, ob die Geschichte von Lizzy und Tulane ein Ende hat, nein, ich denke sie geht definitiv weiter. Vielleicht stehen die beiden in den nächsten Bänden weniger als jetzt im Vordergrund, weil auch für alle anderen Geschwister eine Romanze angedeutet wird. Außer für Maxwell, der taucht hier im ersten Band gar nicht auf.

 

Hier stelle ich die Familienmitglieder vor:

William Baldwin: Oberhaupt, eiskalter und gefühlloser Mensch, hat seine Kinder gequält

Ehefrau von William Baldwine: genannt Mrs. Bradford, ist eine geborene Bradford, ihren Vorfahren gehörte das Unternehmen, das heute ein Imperium ist. Sie dämmert in ihrem Schlafzimmer vor sich hin, mit Medikamenten vollgepumpt.

Miss Aurora: die schwarze Nanny der Kinder, arbeitet jetzt als Köchin auf dem Familiensitz der Bourbon Kings. Die Kinder haben sie alle geliebt. Vor allem Edward und Tulane. Gewöhnungsbedürftig, die beiden sagen immer ganz artig „ja Ma’am“ zu ihr.

 

Die vier Kinder: (Trotz des Nachnamens werden sie „die Bradfords“ genannt)

Edward Baldwin: Erstgeborener, der Vater hasst ihn. Er ist nach einer Entführung körperlich entstellt, ein menschliches Wrack;  hat sich von der Familie losgesagt. Er liebt seit eh und je Sutton, die Tochter und Erbin des Konkurrenz-Unternehmens. Edward, der einzige der in dieser Familie gearbeitet hat, vegetiert mehr oder weniger auf einem Pferdegestüt vor sich hin.

Maxwell Baldwin: Von ihm erfährt man so gut wie gar nichts in diesem ersten Band

Tulane Baldwin: dunkle Haare, blaue Augen, hager, hat seine große Liebe zu Lizzy aufs Spiel gesetzt, ist jetzt verheiratet mit Chantal. Nachdem er seinen Fehler erkennt, oder besser gesagt, nachdem er erkennt, wie seine Noch-Ehefrau ihn reingelegt hat, will er LIzzy zurück erobern. Er gibt sich wirklich Mühe, aber ob er es schafft?

Gin Baldwin: Virgina genannt Gin, eine verzogene Göre von 35 Jahren, denkt nur an sich. Sie ist ein Flittchen, das mit vielen Männern schläft, auch gerne öffentlich im Garten. Sie liebt aber nur einen, Samuel, zeigt es ihm aber nicht. Die beiden verbindet eine Hassliebe. Sie hat eine 16-jährige Tochter, um die sie sich nicht kümmert. Am Schluss erleidet Gin viel Herzschmerz, ich dachte fast schon „gerechterweise“. Schadenfroh wie ich in diesem Fall bin, obwohl Gin mir auch irgendwie sympathisch ist, hätte ich mich gefreut, wenn sie mal wirklich hätte arbeiten gehen müssen. So kann sie gerade noch so nach dem Zusammenbruch des Imperiums ihren Lebensstil erhalten, indem sie auf die von ihrem Vater arrangierte Ehe eingeht.

 

Also, alle Kinder, bis auf Edward, erschienen mir als Müßiggänger, die es nicht nötig haben, in ihrem Leben etwas zu arbeiten. Die Familie ist sowas von reich, dass das Geld niemals ausgehen wird. Entsprechend leben sie alle. Natürlich leben alle im Umfeld von ebenso reichen Menschen, jeder von den Freunden hat anscheinend mal eben einen Privatjet zu Hand, so wie wir unser Auto nutzen. Die Kreditkarten sind immer belastbar, nur die Schnittblumen-Deko fürs Haus kostet mal eben 50000 Dollar. Es wird nur das Beste vom Besten geordert. Also, das ging mir dermaßen gegen „den Strich“, ich kann es gar nicht sagen. Einzig Edward hat bis zu seiner Entführung im Unternehmen gearbeitet. Gin fand ich besonders verwöhnt, es gibt viele unsympathische Szenen dazu im Buch.

 

Das Umfeld:

Lizzy: studierte Gartenbau-Expertin, Chef-Gärtnerin, eine taffe Frau, die sich ein kleines gemütliches Haus kauft und abbezahlt. Hatte eine Affäre mit dem Bourbon King Tulane, die in großem Herzschmerz endete. Sie ist eine bodenständige nette Protagonistin und muss von Tulanes Noch-Ehefrau Chantal einiges aushalten.

Chantal Baldwin: Tulanes angeheiratete Ehefrau, ein reiches gutaussehendes Biest, Millionärs-Töchterchen, Südstaaten-Schönheit. Die alle Register zieht, als Tulane sich scheiden lassen will. Und dabei zu sehr unfairen und rufschädigenden Mitteln greift.

Samuel T. Lodges: Anwalt, ihn und Gin verbindet eine Hassliebe, sie haben beide abwechselnde Affären. Samuels Familie hat Geld, ist gut situiert, aber nicht so extrem reich wie die Bradfords. Er liebt auch Gin irgendwie auf eine Weise, will es sich aber auch nicht eingestehen.

Sutton: die Erbin eines anderen Bourbon-Unternehmens, ebenfalls steinreich, ist in Edward verliebt, den Spross des Konkurrenten. Sie hat ihn seit der Entführung nicht mehr gesehen, und ist dementsprechend entsetzt, als sie ihn so „heruntergekommen“ und vernarbt sieht. Dennoch kommt es zum Sex, das war irgendwie merkwürdig, angesichts von Edwards Zustand.

Amalia Baldwin: Gins uneheliche Tochter, 16 Jahre, ist so gut wie unsichtbar, da sie in Internaten groß wird.

Edwin Mack MacAllen: Der Master-Destiller, zuerst dachte ich, das wäre der Mann für Gin, aber da hatte ich falsch gedacht. Er ist sehr ehrlich, einer der an sein Handwerk glaubt und schließlich die richtige Entscheidung trifft, als er gezwungen wird, das Alter des produzierten Bourbons anders zu datieren.

 

Also, der ganze Plot ist schon sehr umfangreich, weil alle diese Personen eine größere Rolle spielen. Dennoch würde ich sagen, dass hier in Band 1 Lizzy und Tulane die Hauptrollen zufallen. Aber alles greift irgendwie ineinander. Über Tulane kann ich eigentlich nicht viel sagen, ich weiß nicht, mit was er bisher seine Lebenszeit verbracht hat. Als er auf den Familiensitz Easterly heimkehrt, geschieht ein Ereignis nach dem anderen, so dass er fast nur noch reagieren kann, er wird von den Ereignissen quasi überrollt. Zwischendurch versucht er Lizzy zu überzeugen, dass er sie über alles liebt. Es war gut beschrieben, aber ich bin mir nicht sicher, ob ich es ihm auch wirklich abnahm, da Lizzy aus einer ganz anderen Welt kommt. Aber wie sagt man so schön, Gegensätze ziehen sich an.

Die Kapitel und Perspektiven wechseln ständig ab. Alle Geschwister, sogar die Nebendarsteller, bis auf Maxwell, kommen zu Wort. Sie alle sind sehr einprägsam beschrieben, so dass man entgegen Befürchtungen alle gut wieder „erkennt“ und beim Lesen nicht durcheinander kommt.

 

Ward, J.R. Bourbon Kings Teil 1 978-3-7363-0322-5 Lyx

Ward, J.R.
Bourbon Kings Teil 1
978-3-7363-0322-5
Lyx

Fazit:

Überrascht hat mich das Buch in jeder Hinsicht, weil ich niemals auf die Idee gekommen wäre, dass J.R. Ward diese Geschichte geschrieben hat. Es kommt kein bisschen Fantasy/Paranormales darin vor und zudem ist die Erzählsprache um Welten besser als in ihrer „Black Dagger“ Serie. Sie schreibt sehr ausführlich, fast schon zu detailliert, und so ergeben sich einige Längen, die ich mit Geduld lesen musste. Es ist eigentlich ein Gegensatz, weil es langatmig war, obwohl so viel passiert! Alle Protagonisten sind interessant, wenn auch nicht durchgehend sympathisch. Es fällt fast schon schwer, zwei Hauptprotagonisten ausfindig zu machen, so komplex ist diese Familiensaga angelegt. Das Setting spielt in Kentucky, einer ländlichen Gegend. Der Plot handelt vom dem Bourbon-Familien-Imperium der Familie Bradford-Baldwin, den Bourbon Kings. So unfassbar reich, dass der Geldstrom niemals versiegt. Außer Edward hat keiner gearbeitet, alle leben im Müßiggang. Dieser lasche Lebensstil hat mich total abgestoßen. So fiel es mir dann auch schwer zu glauben, dass Tulane die einfache Lizzy (Chef-Gärtnerin) liebt. Die ganze Story mit ihren Wendungen, Intrigen, Bosheiten und Machenschaften erinnert, wie so oft schon in andern Rezensionen gelesen, tatsächlich an den Denver-Clan oder Dallas, die TV-Serien der 80iger Jahre.

Ich fand das Ganze ein wenig zu „misch-masch“. Mir wäre es lieber gewesen, die Geschichte hätte sich überwiegend um Tulane und Lizzy gedreht. Aber so gingen die beiden „fast unter“, weil alle anderen Nebenprotagonisten zu viel Raum einnehmen. Ich bin mir nicht sicher, ob ich wirklich Muße habe, den zweiten Band zu lesen. Auf eine „never-ending“ Story habe ich zur Zeit jedenfalls keine Lust. So, habe mal gerade nachgeschaut: auf Amazon gibt es zur Zeit zwei weitere Bände, die dieses Jahr noch erscheinen. Ein ganz klein wenig hat mich die Geschichte auch an „Die Erbin“ (Rezi erscheint am 18.3) erinnert.

Obwohl alle Charaktere wirklich gut charakterisiert waren, blieben sie auf eine leichte Art einfach blass. Mir fehlte der zündende Funke, etwas, was gute Charaktere ausmacht, dass mich mitfühlen lässt. Am Schluss gibt es überall lose Enden. Selbst die Geschichte von Lizzy und Tulane ist noch nicht wirklich zu Ende.

Nachdem das Buch einen so prägnanten Titel hat, hätte ich mir auch mehr Informationen über den Bourbon, Herstellung etc. gewünscht. Darüber wurde leider  wenig bis überhaupt nichts berichtet.

Alles in allem: Steinreich, dekadent – die Bourbon Kings auf Abwegen. Eine intrigante Familiensaga in Dallas/Denver Manier, nur dass sie in Kentucky spielt und anstatt mit Öl wird mit Bourbon gehandelt. So ganz mein Fall war die Geschichte leider nicht.

 

Zum Buch/Verlag: https://www.luebbe.de/lyx/buecher/sonstiges/bourbon-kings/id_6111288

Weitere Rezensionen zu diesem Buch:

Vanessas Bücherecke: https://vanessasbuecherecke.wordpress.com/2017/01/20/ward-j-r-bourbon-kings/

 

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